Kirchen sind Orte des Gebets, des Glaubens und der Gemeinschaft – und in Sachen Beheizung eine echte Herausforderung. Ziel ist es, klimaneutral zu werden, den Energieverbrauch und die Kosten zu senken. Ein gut durchdachtes Temperierungs- und Lüftungskonzept schützt Gebäude und Schöpfung gleichermaßen und sorgt dafür, dass sich die Gläubigen wohlfühlen.
Viele sakrale Gebäude sind Jahrhunderte alt, stehen unter Denkmalschutz und sind oftmals kostbar ausgestattet. Die verwendeten Materialien reagieren empfindlich auf Feuchtigkeit, Zugluft oder schnelle Temperaturwechsel. Eine klassische Wärmedämmung ist kaum möglich und große Raumvolumen erschweren die Beheizung zusätzlich. Einfach die Heizung auszuschalten oder die Temperatur herunterzuregeln, greift zu kurz. Ungünstige Temperaturen, zu trockene oder zu feuchte Raumluft können die historische Substanz, Kunstwerke und besonders Orgeln erheblich schädigen. Gleichzeitig sollen sich die Kirchenbesucherinnen und -besucher beim Gottesdienst wohlfühlen.
Nicht der ganze Kirchenraum muss für ein angenehmes Raumgefühl beheizt werden. Bankheizungen oder beheizte Sitzpolster schaffen Wärme direkt an den Plätzen und können klassische großvolumige und nicht nachhaltige Heizsysteme oft ersetzen oder deutlich entlasten. Bereits eine Reihe von Pfarreien in der Erzdiözese konnte so den Energieverbrauch um bis zu 50 Prozent reduzieren, die Behaglichkeit für die Gottesdienstbesucher verbessern sowie den Aufwand für die Instandhaltung ihrer Kirchen deutlich verringern.
So wurde beispielsweise in der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Chieming im Landkreis Traunstein die alte Ölheizung ersetzt. Diese lieferte, da es lediglich zwei Luftkanäle gab, nur punktuell Wärme. Zudem fiel der alte Brenner störungsbedingt immer wieder aus. Entsprechend unzufrieden waren die frierenden Kirchenbesucherinnen und -besucher. Diese freuen sich nun über die neuen elektronischen Sitzpolsterauflagen sowie Unterbank-Infrarotpaneele, die mit überschaubaren Investitionskosten eingebaut werden konnten.
Auch eine Wandtemperierung kann in Einzelfällen eine gute Lösung sein: In Teilbereichen der Wände, beispielsweise dem Sockel, werden unter Putz Leitungen, die mit Strom oder warmem Wasser versorgt werden, verlegt. Das sorgt für ein angenehmes Klima, schützt das Mauerwerk und verbessert die Wärmespeicherung.
Hermann Hofstetter, Referent für Schöpfungsverantwortung in der Erzdiözese München und Freising„Alle Pfarreien, die nach einer Beratung durch die Erzdiözese nachhaltige Maßnahmen umgesetzt haben, konnten ihren Treibhausgasfußabdruck für die Kirchentemperierung im Schnitt um 90 Prozent senken.“
Die Art und Weise, wie ein Kirchenraum gelüftet wird, beeinflusst das Raumklima entscheidend – im positiven wie im negativen Sinn. Ein häufiger Irrtum: Oft werden an den ersten warmen Frühlingstagen Fenster und Türen weit geöffnet, um „durchzulüften“. Trifft die feuchte Außenluft auf kalte Wände oder Einrichtungsgegenstände, entsteht Kondensation. Die Folge können Schimmel, aufquellendes Holz oder Schäden an Kunstwerken und Instrumenten sein.
So geht es besser:
So bleibt die Luft frisch – und die wertvolle Bausubstanz geschützt.
Kirchengebäude können klimafreundlich genutzt und erhalten werden, ohne ihre spirituelle und kulturelle Bedeutung zu verlieren. Wenn alle mitmachen, werden Kirchenräume zu Orten, die Glauben, Tradition und nachhaltiges Handeln miteinander verbinden – sichtbare Zeichen für Hoffnung und Verantwortung gegenüber kommenden Generationen.
Sie möchten wissen, welche Lösungen für Ihre Pfarrei sinnvoll sind? Die Erzdiözese München und Freising begleitet Gemeinden auf dem Weg zu einem nachhaltigen und schonenden Energieeinsatz. Die Stabsstelle Umwelt im Ressort Bauwesen und Kunst des Erzbischöflichen Ordinariats München berät und unterstützt Sie persönlich und praxisnah.
Nehmen Sie Kontakt auf – gemeinsam finden wir Wege, Kirchenräume zukunftsfähig zu gestalten.
Leitung: Mattias Kiefer
Kapellenstraße 4
80333 München